Die Stromnetze im Wandel

Luftbild, Dortmund bei Nacht

Unser Strom-Übertragungsnetz hat die Aufgabe, Erzeugungs- und Verbrauchszentren miteinander zu verbinden. Im Rückblick hat sich dabei einiges verändert. Historisch fand die Stromerzeugung meist nahe am Verbrauch – also den großen Industriestandorten - statt und der Strom musste nicht weit übertragen werden. Der Zusammenschluss der Stromnetze brachte jedoch viele Vorteile. So konnten die Energieversorger beispielsweise gemeinsame Reserven aufbauen oder saisonale Effekte nutzen: Die Stromerzeugung durch das Schmelzwasser der Alpen im Frühjahr wurde somit für Deutschland verfügbar. Im Winter lieferten die Kraftwerke im rheinischen Revier Energie auch nach Österreich und in die Schweiz.

So entstand ein leistungsstarkes Transportnetz in Deutschland und in Europa, das viele Kraftwerke verband und einen hohen Grad der Versorgungssicherheit gewährleistete. Ein wichtige strukturelle Veränderung erfolgte dann im Jahr 1998, als die Europäische Union Energieerzeugung und Netze trennte, um den grenzüberschreitenden Binnenmarkt für Strom und den Wettbewerb zu fördern.  

Seit einigen Jahren beobachten wir nun drei wesentliche Entwicklungen, die die Stromwelt erneut verändern:

  • Immer mehr Wind- und Photovoltaik-Anlagen speisen in das Netz ein.
  • Immer mehr Anlagen erzeugen Strom dort, wo er nicht verbraucht wird.
  • Der europäische Strombinnenmarkt gewinnt immer mehr an Bedeutung. 

Stromerzeugung und Stromnetz passen nicht mehr zueinander

Die Energiewende verändert die Stromwelt von Grund auf: Immer mehr Windräder erzeugen an der Nord- und Ostsee-Küste sowie in Nord- und Ostdeutschland immer mehr Strom. Leistungsstarke Photovoltaik-Anlagen gibt es vor allem in Süddeutschland. Wenn das Wetter stimmt, produzieren diese Anlagen oft mehr Energie, als regional benötigt wird. Diesen überschüssigen Strom müssen wir dorthin transportieren, wo er gebraucht wird. Sonst müssten die regenerativen "Kraftwerke" abgeschaltet werden.

Die erneuerbaren Energien werden in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen – dies ist auch in den energiepolitischen Zielen der Bundesregierung niedergelegt:

  • Bis 2020 sollen in Deutschland 35 Prozent der Stromversorgung aus regenerativen Energiequellen gedeckt werden.
  • Im Jahr 2050 soll der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Energieverbrauch 60 Prozent betragen - am Stromverbrauch sogar 80 Prozent.

Wenn aber der Wind an einem Ort schwächer wird oder sich eine Wolke vor die Sonne schiebt, müssen wir die daraus folgenden Schwankungen in der Strom-Einspeisung unmittelbar ausgleichen, um die Systemstabilität zu erhalten. Auch dafür brauchen wir ein leistungsfähiges Netz. Obwohl viele Projekte auf eine autarke Stromversorgung zielen, Energiedörfer zum Beispiel, sind wir sicher: Die Industrie oder große Städte werden mehr Strom verbrauchen, als lokal erzeugt werden kann. Die Entfernung vom Erzeuger zum Verbraucher wird immer größer, gleichzeitig steigt die Menge des Stroms, den es zu transportieren gilt. Dies ist auch ein Effekt des sich entwickelnden europäischen Binnenmarkts.

Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke bis 2022 fällt insbesondere im Süden Deutschlands ein Großteil der gesicherten, rund um die Uhr verfügbaren konventionellen Erzeugung weg. Damit im Süden keine Versorgungsengpässe auftreten, wollen wir den Strom aus dem Norden und Osten dorthin leiten.

An diese neue Stromwelt und gestiegenen Transportbedarf passen wir unser Netz nun an, in dem wir es bedarfsgerecht erweitern und verstärken.

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