Reutlingen - Herbertingen

 BBPlG, Vorhaben 24 | Rommelsbach - Herbertingen

Alt und neu ganz nah beieinander: Ein Winkelabspannmast aus den 1920er Jahren wartet noch auf die Demontage, während der Blick in die Trasse in der Donauebene bei Riedlingen schon die neuen Masten mit der charakteristischen Doppelspitze zeigt.

Amprion verstärkt die vorhandene Stromleitung von Reutlingen-Rommelsbach nach Herbertingen: Statt wie bislang einen 380- und einen 220-Kilovolt-Stromkreis führt die Leitung künftig zwei 380-Kilovolt-Stromkreise. Die rund 61 Kilometer lange Verbindung wird von Amprion als Freileitung von Reutlingen über Münsingen und Riedlingen bis nach Herbertingen überwiegend in der bereits vorhandenen Trasse umgesetzt. Die bisherigen 220 Masten werden durch 181 neue ersetzt. Insgesamt reduziert Amprion also die Anzahl der Masten um fast 20 Prozent. Dafür investiert Amprion rund 85 Millionen Euro in das Projekt. Mit einem symbolischen Spatenstich in Zwiefalten-Sonderbuch haben die rund zweieinhalb Jahre dauernden Bauarbeiten im November 2018 begonnen.

Die Arbeiten laufen auf Hochtouren: Hier wird ein weiterer Mast mit der charakteristischen Doppelspitze in der Bestandstrasse gestockt. Dies ist möglich, solange die Leitung spannungsfrei ist. Neu- und Rückbau erfolgen parallel. Hier werden in der bestehenden Leitungsachse die Leiterseile vom alten Mast vorübergehend auf den neuen übernommen. Dies ist nötig, da die alte Leitung jeweils für den Winter aus netztechnischen Gründen wieder in Betrieb genommen werden muss. Daher ruhen die Höhenarbeiten ab Mitte Oktober bis ins Frühjahr. Im Sommer 2021 wird die Leitung allerdings auf der gesamten Länge mit neuen Stromkreisen in Betrieb gehen.

Bedarf und Notwendigkeit

Die neue Leitung wird die Übertragungskapazität im südlichen Baden-Württemberg erhöhen. Auch der deutsche Gesetzgeber hat diesen Bedarf anerkannt und das Projekt als Vorhaben Nr. 24 im Bundesbedarfsplan-Gesetz beschlossen. Zuständig für das Genehmigungsverfahren und den Erlass des Planfeststellungsbeschlusses war das Regierungspräsidium in Tübingen.

Historische Verbindung

Die historische Nord-Süd-Leitung ist Teil einer der ältesten Höchstspannungsverbindungen in Deutschland. Seitdem schlägt die Stromleitung die Brücke vom rheinischen Braunkohlerevier zu den Wasserspeichern in den Alpen. Im Zuge des Ersatzneubaus hat das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg deshalb beantragt, vier historische Maste aus dem Jahr 1928 in der Gemeinde Eningen unter Achalm als erlebbares Industriedenkmal zu erhalten. Dieses Denkmal wird Amprion gemeinsam mit der Gemeinde für die Öffentlichkeit erschließen.

Technik und Trassenverlauf

Die Leitungsverbindung wird wie bisher als Freileitungsstrecke realisiert. Sie verläuft in Reutlingen, Metzingen, Eningen unter Achalm, St. Johann, Gomadingen, Münsingen, Hayingen, Zwiefalten, Riedlingen, Altheim, Ertingen und Herbertingen überwiegend in der vorhandenen Leitungstrasse. Die alte bestehende Leitung baut Amprion bis auf den Denkmal-Abschnitt vollständig ab. Die von uns auf dieser Strecke neu geplanten Freileitungsmaste werden eine Höhe von durchschnittlich 55 Metern haben und somit zehn bis 15 Meter höher sein als die vorhandenen. Einzelne Masten können je nach Standort aber durchaus auch höher ausfallen. Der Bau der neuen Maste erfolgt in sechs Baulosen parallel, die Inbetriebnahme der neuen Leitung ist dann für Sommer 2021 vorgesehen.

Jörg Weber
Ihr Ansprechpartner
Jörg Weber
Projektsprecher